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Spiegellos oder SLR ? Was ist sinnvoller?

Spiegellose Vollformatkameras erobern seit Ende des Jahres 2018 den Kameramarkt . . .  aber wie soll man sich als Fotograf positionieren, wenn man ein komplettes & vernünftiges Spiegelreflexsystem hat und damit auch keineswegs unglücklich ist?  Ich fotografiere beruflich überwiegend Reportagen- Sport-  &  Corporate Aufnahmen. Meine Hauptkamera ist mittlerweile in die Jahre gekommen.  Einen zwingenden Grund für einen Austausch des Bodys gibt es aber meines Erachtens immer noch nicht, da alles einwandfrei funktioniert und die Ergebnisse wie am ersten Tag erstklassig sind. Die Kamera ist zuverlässig und die Bildqualität immer noch auf den Stand der Technik.

Spiegellose Kameras sind kleiner als solche mit Spiegel, aber reicht das als Argument zum Umstieg? Sind die Bildergebnisse besser (nein!) … oder soll man zweigleisig fahren?

Als Zweitbody bzw. als Privatkamera habe ich schon mehrere Jahre eine A7. Eine wirkliche „immerdabei“ Kamera, klein leicht, mit 700gr inkl. Objektiv angenehm mit zu nehmen, fällt nicht auf, wenn sie umgehängt ist. Aber eine komplette Sport-Reportage möchte ich nur ungern Hals über Kopf damit fotografieren. Alle Kamerahersteller führen häppchenweise die neuen spiegellosen Modelle ein und werben mit zahllosen Funktionsverbesserungen. Während Fuji und Sony schon seit längerem ihren Produktkatalog umgestellt haben, kommen jetzt neue Alternativen von Nikon und Canon auf den Markt. Normalerweise sollte der Wechsel auf einen modernen Body mit keinerlei Anstrengung verbunden sein, aber die großen Hersteller haben sich gleichzeitig auch dazu entschlossen, die Anschlüsse der Objektive zu ändern. Für den Schwenk auf die neuste Generation wird demnach ein Adapter benötigt oder gleich ein frischer Objektivpark und das belastet die Finanzen.

Es ist durchaus auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit!
Jeder Fotograf stellt sich neben der wirtschaftlichen Frage auch welche Vorteile bringt der Umstieg auf ein spiegelloses Modell denn wirklich im Bildergebnis?

Aus eigener Erfahrung kann ich das verneinen! ABER: Wenn wir davon ausgehen, dass die Bildqualität identisch ist -was real auch der Fall ist- dann macht IMMER die Kamera die besseren Foto die man eben immer dabei hat. Und das ist nun mal meist die leichtere, kleinere Kamera.

Als Werbeargument der Industrie werden zunächst die Gewichtseinsparung sowie der Wegfall des Spiegels genannt.

Übrigens: Kameras mit APSC Sensor sind eigentlich schon Geschichte, denn es gibt bereits Vollformat spiegellose Kameras die so leicht und so klein sind wie APSC Kameras. Also warum nochmal in ein neues APSC System investieren? Der Preisunterschied ist dafür zu gering.

Auch sind in den vergangenen Monaten Unmengen von Diskussionen im Web und unter Fotografen geführt worden, …. es gab die Verfechter des Spiegels, mit seiner brillanten und wahrheitsgetreuen Motivwiedergabe sowie der langen Akkulaufzeit, auf der anderen Seite wurde der Mehrwert der spiegellosen Modelle fokussiert. Ein Punkt kristallisierte sich aber deutlich heraus: Mit den neuen spiegellosen Modellen muss auch der Objektivpark mittelfristig erneuert werden, bei einem Herstellerwechsel sogar unmittelbar, außer man arrangiert sich mit den Nachteilen der Adapterlösungen.

SLR-Objektive lassen sich adaptieren! Das macht durchaus Sinn, wenn es in der Fotografie nicht schnell gehen muss! Beispiel: Ein sehr gutes Leica M Objektiv adaptiert heißt zwar höchste Bildqualität, aber eben manuelle blende und manuelle Entfernungseinstellung. Der gute Fotograf macht das sowieso immer (ich übrigens auch) aber in der Sportfotografie geht das eben nicht. Daher ist in verschiedenen Bereichen der Fotografie dann doch ein kompletter Objektiv-Umstieg für ein spiegelloses System notwendig und man müsste auch in richtig dessen native Objektive investieren.

Ich für meinen Teil habe nun eine sinnvolle & wirtschaftliche Lösung gefunden. Ich trenne beruflich von privatem!

Im Business-Bereich der schnelle Aktion- Sport- & Reportage- Fotografie bleibe ich bei meiner ausgewachsenen und extrem ausgereiften DSLR Ausrüstung mit dem dazu perfekt abgestimmten Objektivpark.

Im privaten Bereich und in der Street- Reportage- Fotografie bin ich schon umgestiegen auf eine moderne Vollformat DSLR, die wiegt weniger als 500Gramm hat einen Vollformat- Sensor, also gleiches- gewohnt hohes Qualitätsniveau mit genug Reserven für Ausschnitte und Bearbeitung.

Die Zukunft wird spiegellos werden. Trotzdem wird der Markt der spiegellosen Kameras weiter wachsen und zu einer Dominanz in diesem Segment führen. Langfristig müssen sich Fotografen daher mit dem Gedanken anfreunden, ihre Technik umzurüsten. Jeder, der aber jetzt schon in dieses Segment investiert, muss auch mit den Kinderkrankheiten leben. Autofokusprobleme oder kurze Akkulaufzeiten sind nur einige der Mankos, die wohl erst in den kommenden Generationen nach 2020 ausgemerzt werden.

Wer wartet, kann demnach eigentlich nur gewinnen und spart sich die hohen Investitionskosten am Anfang. Klüger ist es, häppchenweise auf den neuen Fuhrpark umzustellen, aber immer noch auf seine bewährte Ausrüstung zurückgreifen zu können.

Fazit/ Tipp für private Nutzung: jetzt ein gebrauchtes spiegelloses Vollformat-Gehäuse und eine hochwertige Optik kaufen. Damit können alles ablichten was Sie möchten auf qualitativ höchstem Niveau. Denn zum Schluss zählt nur eins: Ein tolles Foto! Und die beste Kamera ist die, welche man immer dabei hat! Je kleiner und leichter sie ist, desto mehr habe ich sie immer dabei!

Autor: Makajo Müller (Quelle DOCMA C.Thieme)