der „Analog-Laden“ in Zürich

 

Im März 2016 konnte sich Fritz Ernst endlich von seiner Leidenschaft trennen, nachdem er ein attraktives Kaufangebot erhielt, welches auch das gesamte Inventar umfasste. Da waren Hunderte von Kameras und Zubehör aller Art, regalweise Filme, Flaschen und Papierschachteln, die sich im Laufe der Jahrzehnte unverkauft angesammelt hatten. In mehreren Aktionen wurde das Inventar verkauft und aus dem legendären Fotohaus im Rahmen der Manifesta 16 ein »Haus der analogen Kunst« gemacht. Dann war die Manifesta vorbei – was nun? Die Rettung kam aus Zug. Alessandro Franchini entschied sich im letzten Herbst, »Foto Ernst« in Zürich langfristig zu mieten und eröffnete dort anfang Dezember 2016 unter dem bekannten Namen »Ars-Imago« ein neues Spezialgeschäft für analoge Fotografie. Franchini hat damit Erfahrung: Er betreibt auch in Rom eine Firma mit einem neuen Geschäft. Die Firma in Rom gibt ihm auch die Möglichkeit, seine Waren in alle EU-Länder zu verschicken, was aus der Schweiz nicht oder nur mit erheblichen Versand- und Zollkosten möglich wäre. Die beiden Lokale in Rom und jetzt in Zürich sind auf die analoge Fotografie spezialisiert. Franchini will an beiden Orten nicht nur alles Verbrauchsmaterial verkaufen, sondern er will seine Kunden auch mit praktischen Erfahrungen optimal beraten können. Hier gibt es einen Vollservice mit allen Filmen – Kleinbild, Rollfilme, Planfilme und Spezialitäten, soweit das Auge reicht – dann verschiedenstes Fotopapier, den gesamten Laborbedarf mit der erforderlichen Chemie bis zum Filmentwicklungs- und Vergrößerung-Service. Dazu gehört auch Material für Spezialtechniken wie Cyanotypie. Erste Adresse in der Schweiz Als Gebrauchtware in Topzustand gibt es Kameras wie eine prachtvolle Rolleiflex mit dem 2,8er-Planar, eine Minolta SRT- 101 oder eine Canon AE-1. Vielleicht merkt auch ein Kamerahersteller bald, dass der Dornröschenschlaf des analogen Markts vorüber ist und dass sich viele junge Kunden wieder für die Technik von damals und Bilder mit dem besonderen Etwas begeistern. Nicht wegzudenken aus den Regalen von Ars-Imago – Dauerbrenner, sozusagen – ist das Sofortbild. »Die Sofortbildfotografie ist der analoge Fels in der digitalen Brandung. Das Bild gleich in der Hand zu haben und an jemanden weitergeben zu können, ist ein einzigartiges und repetitives Erlebnis«, erklärt Alessandro Franchini. »Gerade die Jungen, die sonst nur mit dem Handy fotografieren, haben großen Spass daran. Dann gibt es das Kundensegment der Kreativen, die vor allem die Einzigartigkeit jedes Sofortbildes schätzen. Es ist Fotografie mit Charisma …« Zur Zukunft der analogen Fotografie sagt Franchini: »Ich bin überzeugt, dass sie weiterhin an Marktpräsenz zulegen wird, wie das gegenwärtig der Fall ist. Die heutigen Anbieter – Impossible und Maco beziehungsweise Rollei neben Kodak, Ilford, Adox und Fujifilm – stellten letztes Jahr eine wesentlich stärkere Nachfrage nach ihren Produkten fest, als sie budgetiert hatten. Dies bestätigt nicht nur den Erfolgstrend, sondern auch die Tatsache, dass die Kunden Vertrauen in neue Marken und Produkte gewonnen haben, die sie vor zehn Jahren noch nicht kannten.«

( © Bericht entdeckt in der Print Ausgabe der Photo-Klassik No.II/2017)