aktuellKameratec- Grundwissen

das Nahlinsen 1×1

Für alle die grundsätzlich gerne mit Festbrennweiten und ab und zu im Nahbereich fotografieren und nicht immer ein Makro- Objektiv mitschleppen wollen, sind Nahlisen die beste Wahl.

Nahlinsen sind Sammellinsen, welche wie ein Filter auf das Objektiv aufgesetzt werden. Die Wirkung von Nahlinsen ist vergleichbar mit derjenigen einer Lesebrille: Wenn die Arme zu kurz werden, dann verkürzt die Lesebrille die Sehdistanz. Eine Nahlinse verkürzt entsprechend die Gegenstandweite, das heisst, das Objektiv wird dadurch nahsichtig. Durch die geringere Gegenstandsweite bei gleichbleibender Bildweite wird der Abbildungsmassstab erhöht. Eine Nahlinse ist extrem komfortable zu handhaben und man kann sie immer dabei haben…!

Makrolinse NL 10 (+10 Dioptrien)
Die Stärkste zuerst: Mit +10 Dioptrien sprengt die Makrolinse NL 10 den üblichen Bereich von Nahlinsen. Schon ab 50 mm Objektivbrennweite erschließt sie den echten Makrobereich – ohne kostspieliges Spezialobjektiv. Kleines wird riesig wiedergegeben (Maßstab ab ca. 1:2 bis ca. 1:1,5). Für ausreichende Schärfe um drei Stufen abblenden. Offenere Blenden sind akzeptabel, falls verlaufende Schärfe zum Bildkonzept gehört. Wegen der enormen Stärke besonders für kurzbrennweitige Digitalobjektive geeignet. Leider gibt es diese Makrolinse nur in ganz wenigen Größen.

Nahlinse NL 1 (+1 Dioptrie)
Ideal für Kleinbildbrennweiten von 85 mm (Maßstab bis ca. 1:5) bis 200 mm (Maßstab bis ca. 1:3) mit Naheinstellung von etwa 1 m. Hieran schließt sich der Einstellbereich dieser B+W Nahlinse NL 1 lückenlos an. Für Standardzoomobjektive mit zumeist mäßiger Nahgrenze ebenso perfekt. Für 50-mm-Objektive besser gleich zur Nahlinse NL 2 greifen.

Nahlinse NL 2 (+2 Dioptrien)
Die B+W Nahlinse NL 2 fokussiert bei allen Objektiven in Unendlicheinstellung auf 50 cm Abstand – für 50-mm-Objektive die lückenlose Erweiterung (Maßstab bis ca. 1:4,5) des Nahbereichs. An kurzen Teleobjektiven die nahtlose Fortsetzung zur NL 1 (Maßstab bei 85 mm bis ca. 1:3,5, bei 100 mm bis ca. 1:3,2 und bei 135 mm bis ca. 1:2,5).

Nahlinse NL 3 (+3 Dioptrien)
Die Einstellung der Nahlinse NL 3 beginnt bei 33 cm ab Vorderkante, unabhängig von der Objektivbrennweite. Am mäßigen Weitwinkelobjektiv (35 mm) die lückenlose Fortsetzung des normalen Nahbereichs (Maßstab bis ca. 1:5,5). Bei 85- und 100-mm-Teleobjektiven die Fortsetzung zur NL 2 (Maßstab bis ca. 1:2,7 bzw. 1:2,4).

Nahlinse NL 4 (+4 Dioptrien)
Die B+W Nahlinse NL 4 hat sehr kräftige Wirkung: Blütenkelche etwa sprengen das Kleinbildformat. NL 4 dringt am 50-mm-Objektiv weiter in den Nahbereich vor (Maßstab bis ca. 1:3) als NL 2. Abblenden um zwei Stufen steigert Brillanz und Schärfe. Für kurze Teleobjektive die maximale Nahlinsenstärke. An 85 mm Brennweite erzielt sie einen Maßstab von ca. 1:2,1, an 100 mm sogar bis zu 1:1,9. Für die Brennweite 35 mm gleich zur Nahlinse NL 5 greifen.

Nahlinse NL 5 (+5 Dioptrien)
Das Maximum der Nahlinsen (abgesehen von der Ausnahme Makrolinse NL 10). Am 35-mm-Objektiv dient sie zur lückenlosen Fortsetzung der Nahlinse NL 3 (Maßstab bis ca. 1:3,5). Wer bei 50 mm Brennweite nach der Nahlinse NL 2 (Maßstab ca. bis 1:4,5) eine Lücke hinnehmen kann, erschließt sich mit der Nahlinse NL 5 (anstelle von NL 4) den Makrobereich gleich noch etwas weiter, nämlich bis zum Maßstab von ca. 1:2,6.

Die Bildqualität:

Einfache Nahlinsen zeigen Farbfehler (chromatische Aberrationen), wir sehen diese an farbigen Rändern bei scharfen hell/dunkel Übergängen und
Schärfeabfall gegen die Ränder und Bildecken, leichter Weichzeichnung des Bildes, . Jede einfache Linse zeigt diesen Farbfehler. Durch Kombination zweier Linsen – einer Sammellinse aus Kronglas und einer Streulinse aus Flintglas – lässt sich der chromatische Fehler großen Teils korrigieren. Eine derart aufgebaute Nahlinse wird Achromat genannt.
Nicht jedes Motiv lässt diese Fehler sichtbar werden, wo aufgrund der Schärfentiefe am Rand nichts scharf abgebildet wird ist auch der durch Nahlinsen verursachte Fehler nicht so schnell sichtbar. Die Wahl eines Achromaten für hochwertige Aufnahmen ist eine gute Idee. Achromaten sind heute allerdings etwas selten geworden.

Grundsätzlich gilt, je besser das verwendete Objektiv un die größer und besser der Sensor, desto schneller sind Fehler sichtbar.

Wie gerechtfertigt die Faustregel ist ergibt sich daher aus dem jeweiligen Einsatz und dem Qualitätsanspruch des Fotografen. 

2/2019; Autor: Makajo Müller, Quelle: u.A. B&W, Andreas Hurni.